Neues zum Thema Internet – und tschüss?

Während der letzten zehn Jahre habe ich auf meiner Website immer mal wieder Beiträge hinterlassen, die eine recht hohe Resonanz fanden, und die mich mit meinen Klienten und anderen Interessenten zu lebendigen Gesprächen veranlasst haben. In demselben Zeitraum ist das Internet über weite Teile zu einem Sammelsurium unqualifizierter Textbeiträge verkommen – wobei der Begriff „unqualifiziert“ ein Euphemismus sein dürfte. Manche Texte sind kaum zu ertragen, und damit sind nicht nur die politisch extrem positionierten gemeint.

An mir selbst konnte ich beobachten, auf welche Weise meine Unlust, die eigene Website weiter mit Content zu beliefern, mehr und mehr zunahm. Der Grund war nicht so leicht auszumachen, aber eines Tages konnte ich feststellen, auf welche Weise sich das Text-Netz selbst zu Fall bringt: „Ich lese wieder mehr Bücher“, sagte mir ein Vorstand, „da ist die Chance, Mist in der Hand zu halten deutlich geringer.“

Der Weg vom Lesen zum Schreiben ist dann eine logische Folge: Wenn das Gelesene zwischen zwei Buchdeckeln mehr „Wahrheit“ verspricht, dann doch wohl das Schreiben auch. Und also entschloss ich mich, aus meinen Web-Beiträgen nicht nur ein Buch zu machen, sondern sämtliche Texte vor dem Transfer von Online zu Print zu überprüfen. Es war für mich selbst überraschend, wie ein Großteil meiner Webbeiträge den Sprung in den Printbereich nicht geschafft haben – und vielleicht erforscht mal jemand, warum eine eventuell als „Textleichtfertigkeit“ zu bezeichnende Verhaltensweise Online leider eine höhere Veröffentlichungsrate hat als im Print.

Das Netz marschiert überwiegend einerseits weiter in Richtung Verkaufshomepages und Portalwelten, anderseits bestimmen immer mehr Bilder, was „wir“ denken sollen. Die Welt der Text-Informationen und deren Konstruktion hat die Grenzen zur vollständigen Erfindung bzw. sogar zur Umkehr von „Sachverhalten“, die es gar nicht gibt, längst überschritten. Die messbare Realität wird gelegentlich als „Fake News“ diffamiert. Über relevante, aber verborgene Sachverhalte kann hier nur spekuliert werden, denn sie sind schließlich nicht bekannt bzw. tauchen erst mit zeitlicher Verzögerung aus dem Dunkel der Geschichte auf, dann als randnotierte Fußnote. Immerhin: Wie gut, dass der seriöse Journalismus bisher überlebt hat.

Schon früh begann sich der Content im Internet dem Tempoprimat zu beugen: Lieber schnell raus als fehlerfrei; relevant scheint das zu sein, was andere auch schon veröffentlicht haben. Wer heute im Netz erfährt wie überflüssig Beratung, wie gefährlich oder sinnlos Coaching ist, der kann morgen sehr ähnliche Artikel, die über Nacht zusammengeklöppelt werden woanders finden – im Zweifelsfall werden sie durchgereicht, unabhängig davon, auf welchen Beinen solche Behauptungen stehen. Das Netz scheint wirkungsmächtiger zu sein als jede Wissenschaft, Empirie oder auch nur ein solider Journalismus.

Früher wurde über die Presse aus dem Hause Axel Springer gesagt, sie habe den Wechsel von einer konservativen zur sozialliberalen Politik trotz erheblicher Auflagenübermacht nicht verhindern können, heute müssen wir uns eingestehen, dass es Trump & Co nicht gegen, sondern mit dem Internet gibt: Die Entertainment-Sucht nach primitiver Unterhaltung scheint mächtiger als jede Vernunft, und die Gier danach ist dann auch ein Feind zu rezipierender Netzbeiträge.

Mit diesem Artikel verabschiede ich mich als Autor wortreicher Textbeiträge aus dem Internet und kehre zurück zu den Printmedien. Meine Website wird eine neue Form bekommen, eher eine Instand-Homepage werden, mehr Bilder, weniger Text, quasi eingedampft zur Visitenkarte. Geben wir den Medien das, wofür sie geeignet sind (zurück).

Dieser Text wird zeitnah und leicht verändert als Vorwort zu meinem neuen Buch erscheinen, das spätestens im Herbst dieses Jahres erscheinen wird, parallel mit einem anderem, das schon lange auf seine Veröffentlichung wartet.  

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